Prof. Dr. Dr. h.c. Luís Greco, LL.M.
Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, ausländisches Strafrecht und Strafrechtstheorie
Vita
(Stand: März 2026)
Prof. Dr. Dr. h. c. Luís Greco (Luís Filipe Maksoud Greco) wurde am 27. März 1978 in Rio de Janeiro (Brasilien) geboren. Die Grundlagen für seine enge Beziehung zur deutschen Sprache und Kultur wurden bereits während seines Besuchs der Deutschen Schule Corcovado gelegt. Nach dem Abitur 1996 nahm er das Jurastudium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Bundesuniversität von Rio de Janeiro auf, das er im Jahr 2000 abschloss. Unmittelbar danach übernahm er im ersten Halbjahr 2001 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Bundesuniversität von Rio de Janeiro eine vertretende Dozentur, bevor er zum Magisterstudium im deutschen Recht (LMU München) nach München zog. Unter der Betreuung von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Claus Roxin beendete er dieses im Jahr 2003 mit einer Arbeit über „Das Subjektive an der objektiven Zurechnung. Über das Problem des Sonderwissens“; diese erschien später in ZStW 117 [2005] S. 519 ff. Von 2002 bis 2004 gewährte ihm die Konrad-Adenauer-Stiftung ein Stipendium im Rahmen der Ausländerförderung.
Nachdem er den Magister Legum (LL.M.) abgelegt hatte, begann Luís Greco mit der Promotion, ebenfalls unter Betreuung von Prof. Roxin. Daneben wurde er von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Bernd Schünemann, dessen Seminar er im Rahmen seines LL.M.-Studiums erfolgreich besucht hatte, ab Oktober 2004 als wissenschaftlicher Mitarbeiter zunächst mit einer halben Stelle, ab Januar 2006 mit einer vollen Stelle am Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtssoziologie der LMU München beschäftigt. Neben der üblichen wissenschaftlichen Zuarbeit zählte stets auch der Kontakt zu ausländischen Fachkollegen und zunehmend deren wissenschaftliche Betreuung zu seinen Aufgaben. In der Lehre übernahm er zunächst Arbeitsgemeinschaften im Strafrecht, später dann auch die strafrechtliche Vorlesung für Magisterstudenten aus dem Ausland.
Neben zahlreichen weiteren Publikationen in deutscher und portugiesischer Sprache fertigte Luís Greco eine Dissertation über „Lebendiges und Totes in Feuerbachs Straftheorie“ an, die 2009 im Verlag Duncker & Humblot erschienen ist (489 S.); ausgezeichnet wurde sie mit dem Fakultätspreis des Alumni- und Fördervereins e.V. der Juristischen Fakultät der LMU sowie dem Max-Weber-Preis 2011 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Sie liegt inzwischen in spanischer Übersetzung vor. Auch der Vortrag der mündlichen Doktorprüfung am 17. Juli 2008 zum Thema „Wider die Relativierung der Unterscheidung von Unrecht und Schuld“ ist in Schriftform erschienen (GA 2009, S. 636 ff.).
Auf die Empfehlung seiner akademischen Lehrer hin entschloss sich Luís Greco daraufhin, die wissenschaftliche Tätigkeit an der LMU als akademischer Rat a.Z. am Lehrstuhl von Prof. Schünemann fortzusetzen. Zwischen 2008 und 2014 fertigte er unter dessen Betreuung eine Monografie zum Thema „Strafprozesstheorie und materielle Rechtskraft. Grundlagen und Dogmatik des Tatbegriffs, des Strafklageverbrauchs und der Wiederaufnahme im Strafverfahrensrecht“ an, die 2015 ebenfalls bei Duncker & Humblot erschienen ist (1018 Seiten) und als Habilitationsschrift angenommen wurde. Mit dem Probevortrag am 6. Februar 2014 zum Thema „Analogieverbot und Wortlautgrenze in Europa- und Völkerstrafrecht“ schloss er das Habilitationsverfahren an der LMU München erfolgreich ab.
In dieser Zeit übernahm er zusammen mit anderen Mitarbeitern Verantwortung für die Aktivitäten des Lehrstuhls, insbesondere (aber nicht ausschließlich) für dessen internationalen Beziehungen. So nahm er federführend an zwei vom DAAD geförderten projektbezogenen Personenaustauschprogrammen teil, zwischen 2006 und 2009 mit Brasilien („Probral“) in Zusammenarbeit mit der Universidade de São Paulo (USP) über „Verfassungsrechtliche Grenzen des Strafrechts“, daneben von 2010 bis 2011 mit Taiwan, in Zusammenarbeit mit der Cheng-Chi University über „Das Gesetzlichkeitsprinzip als Fundament des Strafrechts zwischen Europa und Asien“. Dort bekleidete er im Herbst 2010 auch eine Stellung als „visiting professor“. Schließlich war er maßgeblich beteiligt an einem 2013 begonnenen wissenschaftlichen Austauschprojekt zwischen der LMU (Prof. Schünemann) und der Renmin University of China, Peking, das vom Bayerischen Hochschulzentrum für China gefördert wurde.
Zur Vervollständigung seiner Zugehörigkeit zur deutschen rechtswissenschaftlichen Gemeinschaft hatte sich Luís Greco daneben entschlossen, die erste juristische Prüfung abzulegen. Dazu absolvierte er ab 2008 parallel zur intensiven Tätigkeit in Forschung und Lehre das Studium der Rechtswissenschaft an der Universität München, das er im Sommer 2015 mit der Gesamtnote "Gut" abschloss.
Bereits vor Beendigung des Studiums wurde ihm unmittelbar nach Abschluss des Habilitationsverfahrens die Vertretung einer strafrechtlichen Professur an der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg für das Sommersemester 2014 übertragen. Diese Professur übernahm er nach seiner Berufung und Ernennung zum Professor (W2) im Frühjahr 2015. Auch in Augsburg führte Luís Greco den lebhaften Austausch mit internationalen Partnern fort; so hat er im Sommer 2015 u.a. in Córdoba (Argentinien) an einem vom Bayerischen Hochschulzentrum für Lateinamerika geförderten Forschungsprojekt über Korruption teilgenommen und als Gastdozent an der Juristischen Fakultät der Fundação Getúlio Vargas in São Paulo einen Kurs als „visiting professor“ abgehalten. Auch in der Lehre spiegelt sich diese internationale Ausrichtung wider: Luís Greco übernimmt bis heute die Betreuung zahlreicher ausländischer Doktoranden, Magisterstudenten und Gastwissenschaftler.
Luís Greco hat im Februar 2017 einen Ruf auf einen Lehrstuhl (W3) an der Humboldt-Universität zu Berlin angenommen. Er ist seit Oktober 2017 Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, ausländisches Strafrecht und Strafrechtstheorie. Dort hat er seine intensive internationale Ausrichtung noch weiter gestärkt: inzwischen haben weit über 100 ausländische Gastwissenschaftler unter seiner Betreuung einen Aufenthalt an der HU absolvieren können, darunter 9 Stipendiaten der Alexander von Humboldt-Stiftung. Er wurde am 21. Oktober 2021 mit dem Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften geehrt. Im April 2023 war er „visiting professor“ an der Chuo Universität, Tokio. Im Juni 2023 wurde er zum Ehrenmitglied der Japanischen Gesellschaft für Strafrecht ernannt. Im November 2023 und November 2024 absolvierte er Aufenthalte als „visiting professor“ an der Universität Pompeo Fabra, Barcelona. Im September 2024 forschte er als „visiting researcher“ an der Sapienza, Università di Roma. Im Dezember 2024 erhielt er von der Bundesuniversität von Bahia (Universidade Federal da Bahia) einen Ehrendoktortitel. Im März 2025 hat er einen Aufenthalt als „visiting professor“ an der Waseda Universität, Tokio absolviert.
Neben zahlreichen eigenen Beiträgen und Büchern und der Herausgeberschaft von Sammelwerken insbesondere in Deutschland und Brasilien (aber auch in Iberoamerika und Asien) ist Luís Greco Mitherausgeber der Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft, der 14. Auflage des Leipziger Kommentars zum Strafgesetzbuch und der Reihe „Derecho Penal y Criminología“ (beim Verlag Marcial Pons). Er ist Mitautor der Systematischen Kommentare zum Strafgesetzbuch und zur Strafprozessordnung, sowie Mitautor des Leipziger Kommentars zum Strafgesetzbuch. Sein wichtigstes aktuelles Projekt ist die Bearbeitung der neuen Auflage des Lehrbuchs seines Doktorvaters Claus Roxin zum Allgemeinen Teil des Strafrechts (2 Bände); der erste Band ist 2020 erschienen, Übersetzungen ins Spanische und Chinesische werden gerade angefertigt, eine Übersetzung ins Portugiesische ist 2024 erschienen. Seine Forschungsschwerpunkte sind das Strafrecht (insb. Grundlagen, Allgemeiner Teil) und das Strafprozessrecht (Grundlagen, heimliche Ermittlungsmaßnahmen).
In der Lehre waren es insbesondere der Allgemeine und Besondere Teil des Strafrechts, für die sich Luís Greco engagierte. Derzeit arbeitet er an der Neukonzipierung (insb. des strafrechtlichen Teils) des Universitätsrepetitoriums der HU-Berlin, dessen Gesamtleitung er ab April 2026 übernehmen wird.