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Humboldt-Universität zu Berlin - Law & Society Institute Berlin

Humboldt-Universität zu Berlin | Juristische Fakultät | Law & Society Institute Berlin | Termine | Jan-Christoph Marschelke: "Recht und Kollektivität – einige Grundüberlegungen"

Jan-Christoph Marschelke: "Recht und Kollektivität – einige Grundüberlegungen"

Wann 22.01.2019 von 18:15 bis 20:00 (Europe/Vienna / UTC100) iCal
Wo Juristische Fakultät, Altes Palais, Unter den Linden 9, Raum E 25

Zum Vortrag

Ausgehend von einem weiten Kollektivbegriff und Sozialtheorien wie der von Bourdieu und Brubaker stellt der Vortrag grundsätzliche Überlegungen dazu an, wie sich das Verhältnis von Recht und Kollektivität denken lässt. Am Anfang steht die abstrakteste Form menschlicher Kollektivität, die Humankategorie, und die Überlegung, wie diese durch Recht geschaffen und Zuschreibungen zu ihr vorgenommen werden. Das Recht definiert aber auch, das wäre eine zweite Überlegung, Kollektive wie Organisationen und Kleingruppen. Dreht man die Perspektive um, stellt sich zunächst die Frage nach den Akteur_innen (Organisationen, Akteurskategorien) des Rechts. Die reifizierende Redeweise vom Recht wird dadurch aufgebrochen, Recht wird zu einer Arena, in der eine nahezu unüberschaubare Menge von Akteur_innen um verschiedene Kapitalien ringt. Zu diesen gehören indes nicht nur „interne“ Rechtsakteur_innen, sondern auch „externe“ Entrepreneure, die das Recht mitgestalten. Die Innen-Außen-Unterscheidung wird prekär. Führt man die Überlegungen zusammen, wird deutlich, dass Kollektivität und Recht miteinander verwoben sind. Das heißt insbesondere, dass Fragen nach Genese und Reproduktion von Kollektivität – z.B. nach Kollektivmitgliedschaftsbedingungen, Mythen und Narrative – zugleich Fragen nach den Fundamenten von Recht darstellen.

 

Jan-Christoph Marschelke studierte Rechtwissenschaften mit den Schwerpunkten fachspezifische Fremdsprachen, Rechts- und Staatsphilosophie und Rechtssoziologie in Passau und Würzburg. Er promovierte mit einer rechtsphilosophischen Arbeit zu „Jeremy Bentham – Philosophie und Recht“. Nach dem zweiten Staatsexamen koordinierte er das interfakultäre Projekt „Globale Systeme und interkulturelle Kompetenz“ der Universität Würzburg. Seit 2014 ist er Geschäftsführer der Forschungsstelle Kultur- und Kollektivwissenschaft der Universität Regensburg. Er beschäftigt sich mit Sozial- und Kulturtheorien der Kollektivität, Interkulturalität und des Rechts.

 

Der Vortrag wird kommentiert von Eva Kocher.

 

 

Die Reihe "Werkstattgespräche" wird von der Projektgruppe des LSI veranstaltet und lädt vor allem - aber nicht nur - junge Forschende ein, ihre aktuellen Forschungen in einer informalen und offenen Atmosphäre vorzustellen und zu diskutieren. Für das Publikum bietet dieses Format den Einblick in neueste Forschungsergebnisse, für die Vortragenden die Möglichkeit, Rückmeldungen, Kritik und Anregungen zur eigenen "Work-in-Progress" zu erhalten.

 

Im Wintersemester 2018/2019 finden die Werkstattgespräche unter dem Oberthema "Emotionen bei Gericht" statt.