Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Law & Society Institute Berlin

Humboldt-Universität zu Berlin | Juristische Fakultät | Law & Society Institute Berlin | Termine | Jonas Bens: "Politische Strafverfahren und ihr Publikum: Affektive Atmosphären und das Problem der Mehrfachadressierung in Verfahren des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag und Norduganda"

Jonas Bens: "Politische Strafverfahren und ihr Publikum: Affektive Atmosphären und das Problem der Mehrfachadressierung in Verfahren des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag und Norduganda"

Werkstattgespräch
Wann 13.11.2018 von 18:15 bis 20:00 (Europe/Vienna / UTC100) iCal
Wo Juristische Fakultät, Altes Palais, Unter den Linden 9, Raum E 25

 

Zum Vortrag

Bei politischen Strafverfahren geht es darum, nach massiven Menschenrechtsverletzungen – oft im Rahmen von Kriegen und Konflikten – Vergangenheitsbewältigung und den Übergang zu einem friedlicheren, demokratischeren Regime zu organisieren. Politische, wie solche vor dem Internationalen Strafverfahren zielen dabei nicht nur auf individuelle Täter und Opfer, sondern auch auf die breite Öffentlichkeit, deren Gerechtigkeitsgefühle über die Vergangenheit transformiert werden sollen. Hierzu lässt sich beobachten, dass affektives Sprechen, die rhetorische Modulierung und Regulierung von Emotionen und die Kuratierung affektiver Atmosphären einen zentralen Platz in solchen Projekten einnehmen. Die Akteure in diesen Verfahren sind allerdings ständig damit konfrontiert, dass sie mehrere Publika gleichzeitig adressieren müssen, deren Erwartungen und Anforderungen an gerecht/ungerecht, wahr/falsch, legitim/illegitim weit auseinander liegen können. Auf der Grundlage mehrmonatiger ethnographischer Feldforschung am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag und von Outreach-Aktivitäten des IStGH im ländlichen Norduganda wird die These vertreten, dass dieses Problem der multiplen Öffentlichkeiten sich in politische Strafverfahren und ihre medialen Begleitformate auf der Mikroebene übersetzt und einzelne Ereignisse bis in die Sprechakte und Atmosphären hinein strukturiert. Das führt dazu, dass politische Strafverfahren immer nur zeitweise und in Bezug auf einige Publika in gewünschter Weise affizieren können – eine zentrale Einschränkung der hohen Erwartungen, die mit politischen Stafverfahren etwa im Rahmen von Transitional-Jusitice-Projekten verbunden sind.

 

Jonas Bens ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie und am DFG-Sonderforschungsbereich „Affective Societies“ (DFG-SFB 1171) an der Freien Universität Berlin. Nach dem Studium sowohl der Rechtswissenschaften als auch der Anthropologie wurde er 2015 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn in Ethnologie promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Politik- und Rechtsanthropologie, historische Anthropologie und linguistische Anthropologie. Sein derzeitiges Forschungsprojekt ist eine Multi-Sited-Ethnography des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag und Norduganda.  

 

 

 

Die Reihe "Werkstattgespräche" wird von der Projektgruppe des LSI veranstaltet und lädt vor allem - aber nicht nur - junge Forschende ein, ihre aktuellen Forschungen in einer informalen und offenen Atmosphäre vorzustellen und zu diskutieren. Für das Publikum bietet dieses Format den Einblick in neueste Forschungsergebnisse, für die Vortragenden die Möglichkeit, Rückmeldungen, Kritik und Anregungen zur eigenen "Work-in-Progress" zu erhalten.

 

Im Wintersemester 2018/2019 finden die Werkstattgespräche unter dem Oberthema "Emotionen bei Gericht" statt.