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Humboldt-Universität zu Berlin - DynamInt

Über DynamInt

Mit dem Graduiertenkolleg ‚DynamInt’ entsteht ab Oktober 2019 an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin im Herzen Berlins ein auf mehrere Jahre angelegtes, DFG-finanziertes Forschungsprojekt im Bereich des Europarechts.

Das ist in dieser Form deutschlandweit einzigartig und zeichnet sich vor allem durch die Charakteristika Internationalität und Grundlagenorientierung (im Sinne interdisziplinärer Informiertheit) aus:

Kollegstruktur mit konkreter Forschungsfrage

„In Vielfalt geeint“ ist das Motto der Europäischen Union (EU). Das integrationsfördernde Spannungsverhältnis von Einheit und Vielfalt, von Harmonisierung und Pluralisierung ist gegenwärtig jedoch durch Ungleichzeitigkeiten und Dynamisierungsprozesse gekennzeichnet. In Politik und Wirtschaft werden Desintegrationstendenzen beobachtet; beklagt werden ein Mangel an genuin europäisch-politischem Diskurs und eine zu geringe Kohärenz der europäischen Volkswirtschaften. Kernstücke des Rechts erscheinen hingegen im Verhältnis zu anderen gesellschaftlichen Institutionen weiterhin als stark europäisiert. Die Rechtsgemeinschaft (Walter Hallstein) ist über sehr weite Bereiche funktionsfähig.

Gleichwohl haben die genannten Desintegrationsprozesse das Recht nicht unberührt gelassen. Im Gegenteil: Die übergreifende Finalität der Integration, einer immer engeren Union in allen Gebieten, ist durch diese Prozesse irritiert worden. Der Brexit erscheint als Menetekel, das eine geradezu existentielle Zuspitzung des Spannungsverhältnisses von Harmonisierung und Pluralisierung bewirkt.

Beide als gleich wichtige, flexible Mechanismen einer dynamischen Integrationsordnung zur Geltung zu bringen, ist Zielsetzung vor allem für das Recht; das Wechselspiel zwischen Harmonisierung und Pluralisierung kritisch zu reflektieren, Aufgabe der Rechtswissenschaft.

Sie muss nicht nur Harmonisierungsinitiativen nachzeichnen, wie sie in manchen Gebieten weiterhin Priorität beanspruchen, sondern auch aufzeigen, wo Pluralisierung angezeigt erscheint; sie muss nicht nur unionsverfassungsrechtliche Prinzipien entwickeln, deren Verwirklichung mit Unsicherheiten behaftet sein kann (wie das Subsidiaritätsprinzip), sondern vor allem Regeln, Prinzipien und Institute vorhalten, die als stabile Schnittstellen eine gleichsam atmende Integration ermöglichen.

In der rechtswissenschaftlichen Erforschung der genannten Verzahnungs- und Verschränkungsbereiche liegt die zentrale Forschungsidee des geplanten Kollegs DynamInt. Forschungsziel ist die rechtswissenschaftliche Erarbeitung konkreter Elemente einer dynamischen Integrationsordnung. Kernanliegen von DynamInt ist es, Pluralisierung genauso ernst zu nehmen wie Harmonisierung und damit populistischen Anwürfen an „Brüssel“ einen kritisch-reflektierenden rechtswissenschaftlichen Diskurs entgegenzustellen, an dem es bislang weitgehend fehlt.

Thematisch wird sich das Forschungsprogramm nicht darauf beschränken, die in den Säulen aufscheinenden potentiellen Referenzgebiete (Banken- und Kapitalmarktunion, Wettbewerbsrecht, Digitalisierung, Verbraucherschutz) auszuloten, sondern die Forschung in vier säulenübergreifenden Querschnittsbereichen zu verbinden: (1) Überschießende Effekte, (2) Entwicklungsprozesse atmender Integration, (3) Bewertungsmaßstäbe sowie (4) Vorrechtliche Tiefenschichten und Rechtskonzepte.

Die Kollegstruktur besteht aus zwölf Promovierenden und mehreren Postdoktorandinnen bzw. Postdoktoranden. Diese werden über einen Zeitraum von mehreren Jahren (Promotionsstellen: zwei Jahre mit Verlängerungsmöglichkeit) in Einzelarbeiten und in gemeinsamer Arbeit im Bereich des oben genannten Forschungsziels forschend tätig sein. Während dieser Zeit besteht Residenzpflicht in Berlin. Forschungsaufenthalte im Ausland sind möglich. Vom Kolleg wird eine intensive Betreuung, sowie die für die Forschung nötige Infrastruktur gestellt. Von den Kollegiatinnen und Kollegiaten wird erwartet, dass sie sich intensiv in die Arbeit des Kollegs einbringen.

 

Internationalität und Grundlagenorientierung

Die Forschung des geplanten Kollegs wird durch die methodischen Strukturmerkmale Internationalität und Grundlagenorientierung geprägt. Sie bedingen einander, weil grundlagenbasierte, interdisziplinäre Informiertheit den nicht-rechtlichen Kontext für rechtsvergleichende Arbeiten und die Bewertungsgrundlage für Harmonisierung und Pluralisierung bereitstellt, umgekehrt eine international-komparative Ausrichtung das Potential hat, zusätzliche Perspektiven für grundlagenorientierte Arbeit hin zur Interdisziplinarität zu öffnen. Internationalität und Grundlagenorientierung sind für DynamInt institutionell angelegt:

Die Internationalität des Kollegs fußt vor allem auf dem einzigartigen Netzwerk renommierter europäischer Universitäten ‚European Law School Network’. Dieses umfasst

  • die Universiteit van Amsterdam,
  • das Europäisches Hochschulinstitut Florenz,
  • das King’s College London,
  • die Universität Paris II (Panthéon – Assas)
  • sowie die Università di Roma La Sapienza

An allen diesen Universitäten werden Forschungsaufenthalte für die Kollegiatinnen und Kollegiaten möglich sein. In der Nutzung dieses Netzwerks zur Förderung der perspektivisch internationalisierten Forschung liegt ein zentraler Mehrwert von DynamInt gegenüber anderen bereits etablierten Forschungseinrichtungen im Bereich des Europarechts.

Ziel ist auch die Förderung internationaler Karrieren. Komparative Forschung, die in DynamInt angesichts der Forschungsfragen vorhersehbar hohes Gewicht haben wird, erhält so einen strukturierten Rahmen.

Ein weiteres institutionelles Standbein der Internationalisierung ist das seit über 20 Jahren an der Fakultät verankerte Walter Hallstein-Institut für Europäisches Verfassungsrecht (WHI).

Überdies steht die Grundlagenorientierung bei der im Rahmen von DynamInt betriebenen Forschung im Mittelpunkt. Der momentan in der interdisziplinären Rechtsforschung verbreitete einfache Verweis auf die anderen Disziplinen soll im Forschungsprogramm des Graduiertenkollegs ersetzt werden, durch ein strukturiertes Heranführen an echte Integration der Erkenntnisse aus anderen Disziplinen, namentlich Ökonomik, Philosophie und Geschichtswissenschaft.

Hierbei stützt sich das Graduiertenkolleg ebenfalls institutionell auf ein starkes Netz von Kooperationspartnern. In Berlin ist bereits über die letzten Jahre eine einzigartige Forschungslandschaft im rechtswissenschaftlichen und allgemein geisteswissenschaftlichen Bereich entstanden. An der Juristischen Fakultät prominent vertreten ist das Law and Society Institute, mit welchem das Graduiertenkolleg insbesondere im Bereich der Grundlagenforschung kooperiert. Zudem bestehen Kooperationen mit verschiedenen renommierten Forschungsinstituten und DFG-Projekten in Berlin und Umgebung.