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Humboldt-Universität zu Berlin - Prof. Dr. Philipp Dann

Law and Transformation: Opening Conversations between India and Germany

Drittmittelprojekt gefördert durch den DAAD

Das Recht steuert gleichermaßen gesellschaftlichen Wandel und muss sich diesem anpassen. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, von Globalisierung, Digitalisierung und technologischem Fortschritt über den Klimawandel, Migrationsbewegungen und zivilem Protest bis hin zu globalen Pandemien fordern auch Veränderungen des Rechts ein. Eine im Juli 2020 begonnene Zusammenarbeit zwischen dem Lehrstuhl für öffentliches Recht und Rechtsvergleichung (Prof. Dr. Philipp Dann) und der National Law School of India University (NLSIU) im südindischen Bangalore möchte sich mit den vielfältigen Fragen zur Transformation des Rechts und durch das Recht auseinandersetzen. Das Projekt „Law and Transformation: Opening Conversations between India and Germany” wird bis 2024 umfangreich durch den DAAD und die indische University Grants Commission gefördert und von Tanja Herklotz koordiniert. Dabei wird sie von den studentischen Hilfskräften Franziska Duda und Louisa Hattendorff unterstüzt. In seiner interdisziplinären und vergleichenden Auseinandersetzung mit dem Recht in Indien, Deutschland und Europa, lässt das Projekt einen Fokus auf ganz verschiedene Rechtsbereiche zu – vom Wirtschaftsrecht über das Wettbewerbs- und Regulierungsrecht, das Umweltrecht bis hin zu Fragen nach Demokratie, Föderalismus und Menschenrechten.

Das Projekt verfolgt drei langfristige Ziele. Zum einen möchte es die Indienkompetenz in der deutschen Rechtswissenschaft und die Deutschlandkompetenz in der indischen Rechtswissenschaft fördern. Ziel ist es, Wissenschaftler*innen dazu anzuregen, in ihrer Arbeit die herkömmlichen wissenschaftlichen Pfade zu verlassen und neue Länder und Rechtssysteme in den Blick zu nehmen. Für deutsche Studierende, Promovierende und Postdocs bedeutet dies, die nach wie vor hartnäckige Fixierung auf Europa zu durchbrechen und den Blick nach Indien – und vielleicht darüber hinaus auf den globalen Süden als Ganzes – zu richten. Indische Nachwuchswissenschaftler*innen sollen dazu animiert werden, als Vergleichsgegenstand in der Rechtswissenschaft und als Ort für potentielle Forschungs- und Studienaufenthalte nicht nur die USA und die Commonwealth-Länder in Betracht zu ziehen, sondern Deutschland als attraktiven Wissenschaftsstandort und das deutsche und europäische Recht als interessanten Forschungs- und Vergleichsgegenstand zu begreifen.

Weiterhin möchte das Projekt durch seine interdisziplinäre Herangehensweise und einen transnationalen Dialog auf Augenhöhe innovative Forschung produzieren. Deutsche wie indische Forschende sollen sich als Teil des Projektes nicht nur mit dem jeweils fremden Rechtssystem befassen, sondern immer wieder auch kritisch über das eigene Rechtssystem reflektieren und durch den Blick von außen dazu angeregt werden, die historisch-kontextuelle Bedingtheit des eigenen Systems klarer zu erkennen sowie internationale Interdependenzen besser zu begreifen. Insgesamt soll das Projekt also die Forschungslandschaft als solche in Deutschland und Indien verändern und zwar zum einen in Hinblick auf eine thematische Neuausrichtung und zum anderen in Hinblick auf methodische Vorgehensweisen.

Letztlich soll das Projekt den Ausbau der internationalen Kooperationen der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität weiter vorantreiben. Das Projekt zielt auf die Verstetigung nachhaltiger Beziehungen ab und möchte Netzwerke aufbauen und Produkte (in Form von Publikationen und Lehrmodulen) hinterlassen, auf die Forschende wie Lehrende auch nach Ende des Förderzeitraums zurückgreifen können.

Zur Verwirklichung dieser Ziele fußt das Projekt auf drei zentralen Säulen. Geplant sind zum einen regelmäßig stattfindende Austauschprojekte für Studierende, Promovierende, Postdocs und Lehrende zwischen Berlin und Bangalore. Zweitens plant das Projekt die Ausweitung des Lehrangebotes zum indischen Recht an der Humboldt-Universität , sowohl durch Lehrende der HU als auch durch Gastdozent*innen von der NLSIU. Hier ergänzt das neue Projekt bereits bestehende Ansätze zur Auseinandersetzung mit dem indischen Recht, die den Blick für Rechtstraditionen und Rechtsstrukturen außerhalb des globalen Nordens öffnen. Drittens ist die Ausrichtung zweier Workshops für Nachwuchswissenschaftler*innen der HU und der NLSIU geplant, die 2022 in Berlin und 2023 in Bangalore stattfinden werden und Doktorand*innen und Postdoktorand*innen eine Gelegenheit bieten, ihre rechtsvergleichenden Arbeiten vor einem interdisziplinären deutsch-indischen Publikum vorzustellen und mit diesem zu diskutieren. Ausschreibungen für alle geplanten Projekte und Hinweise zu Veranstaltungen werden auf der Website des Lehrstuhls für Öffentliches Recht und Rechtsvergleichung bekanntgegeben.