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Humboldt-Universität zu Berlin - Prof. Dr. Susanne Baer

Humboldt-Universität zu Berlin | Juristische Fakultät | Prof. Dr. Susanne Baer | Lehre | SoSe 2018 | SE „Vorurteilskriminalität“, „Hasskriminalität“, „politisch motivierte Straftaten“ – Begriffe, Konzepte, Kritik

„Vorurteilskriminalität“, „Hasskriminalität“, „politisch motivierte Straftaten“ – Begriffe, Konzepte, Kritik

Dozentin:

Fiona Schmidt

Ort & Zeit:

DOR 24, R 3.018

Do, 3.5.2018, 12.00 - 14.00 Uhr

Do, 17.5., 7.6., 21.6., 5.7.2018, 10.00 - 14.00 Uhr

Kurzbeschreibung:

Seit 2001 erfasst die Polizei politisch motivierte Gewalt gegen Individuen unter dem Begriff „Hasskriminalität“. In den Medien und der politischen Öffentlichkeit werden bestimmte Gewalttaten als „politisch motiviert“ oder als „Vorurteilskriminalität“ diskutiert. Ein paradigmatisches Beispiel ist die rassistische Mord- und Anschlagsserie des NSU, die Gegenstand eines Strafverfahrens vor dem OLG München ist. Weitere Beispiele sind antisemitische oder antimuslimische Gewalt sowie Gewalt gegen Obdachlose, Menschen mit Behinderung, Schwule, Lesben und Transgender. In dieses Spektrum gehört zudem sexistische Gewalt gegen Frauen - die zwar als „gender crimes“ verstanden werden können, aber meist nicht in diesem Zusammenhang diskutiert werden.


Das Seminar setzt sich den Begriffen und Konzepten auseinander, die derzeit für diese Vorfälle benutzt werden. Es befasst sich mit den Vorgaben und Rahmenbedingungen, aber auch Defiziten und Kontinuitäten der Strafverfolgung. Dazu sollen sowohl die rechtlichen Grundlagen als auch kritische Ansätze aus den Rechtswissenschaften, Gender Studies und der Rassismusforschung fruchtbar gemacht werden. Von Bedeutung ist insbesondere, die Perspektiven von Opfern und ihren Angehörigen sowie von Beratungsstellen in die juristische, rechtspolitische und politische Betrachtung zu integrieren.

 

Leitfragen sind:
- Wie reagiert das Recht auf rassistische, antisemitische, homophobe Gewalt, ggf. auch im Vergleich zu sexistischer/sexualisierter Gewalt?
- Welche Konzepte und Begrifflichkeiten finden in der Praxis wie Anwendung? Welchen Einfluss haben diese auf die Erfassung und den weiteren strafrechtlichen Umgang?
- Wie verändert sich der institutionelle und rechtliche Umgang im Kontext gesellschaftspolitischer Auseinandersetzungen?
- Welche rechtlichen Möglichkeiten haben Betroffene und Opfer in solchen Verfahren - und wo liegen Reformpotentiale?

 

Im Seminar werden sehr unterschiedliche Materialien benutzt. Dazu gehören Rechtstexte (wie Gesetze und Urteile), Medienberichte, digitale Quellen, sowie theoretische Texte. Erwartet wird, dass Sie sich Themen selbst erarbeiten und im Seminar - gerne auch im Team - präsentieren und diskutieren. Alle Teilnehmenden müssen alle Texte vorbreitend lesen und sich aktiv an den Diskussionen beteiligen.

Wir werden Fallbeispiele identifizieren, anhand derer die Schritte von Ermittlungs- und Strafverfahren auf Ebene der Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten behandelt werden, sowie die Thematisierung in unterschiedlichen Medien und Öffentlichkeiten. So soll ein analytisches Instrumentarium entstehen, das kritische Debatten zum rechtlichen Umgang mit dieser Gewalt ermöglicht.
In der ersten Sitzung wird entschieden, welche Fallbeispiele behandelt werden. Sie können dort eigene Vorschläge einbringen. Bitte stellen Sie Ihre Frage oder Ihr Thema in der Sitzung vor. Eine zweite Sitzung führt in die Arbeitsweise und den Umgang mit unterschiedlichen Texten ein. Sodann folgt die selbständige Erarbeitung Ihres Beitrags, der im Seminar diskutiert werden wird.

 

Es ist nur eine Teilnahme am gesamten Seminar möglich. Die Lehrveranstaltung richtet sich insbesondere an Studierende der Gender Studies und Rechtswissenschaften, steht aber allen interessierten Studierenden offen. Prüfungen werden nur im BA Gender Studies angeboten.

 

Bitte melden Sie sich bis zum 03.05.2018 unter sekretariat.baer@rewi.hu-berlin.de an.