Lehre | Lehrstuhl Jeßberger |Sommersemester 2026
Im Sommersemester 2026 bietet der Lehrstuhl die folgenden Lehrveranstaltungen an (Termine, Orte, Moodle-Kurse und weitere Informationen finden Sie im Vorlesungsverzeichnis der Fakultät):
SE Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes in Völkerstrafsachen (10765) | Prof. Jeßberger und RiBGH Dr. Hohoff
Spät, nämlich erstmals in einer Entscheidung im Zusammenhang mit der Verfolgung von DDR-Unrecht, hat der Bundesgerichtshof das Völkerstrafrecht, konkret: das Recht von Nürnberg, zur Kenntnis genommen; bekanntlich erfolgte die Aburteilung der nationalsozialistischen Verbrechen durch deutsche Gerichte, so sie denn überhaupt stattfand, unter Anwendung der allgemeinen Straftatbestände des (Reichs-) Strafgesetzbuches; Völkerstrafrecht spielte keine Rolle. Eine erste Entscheidung zum Völkermordtatbestand (§ 220a StGB a.F.) betraf dann in den 1990er Jahren Ereignisse im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. Seit 2002 bildet das Völkerstrafgesetzbuch die Grundlage für die Durchführung strafrechtlicher Verfahren in Deutschland, die Völkerrechtsverbrechen – namentlich Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen sowie das Verbrechen der Aggression – zum Gegenstand haben. Auf dieser Grundlage hat sich eine Verfolgungspraxis herausgebildet, die zu einer beachtlichen Zahl gerichtlicher Verurteilungen geführt hat. Im Zuge dieser dynamischen Entwicklung hatte auch der Bundesgerichtshof Gelegenheit, zu grundlegenden Fragen des „deutschen Völkerstrafrechts“ Stellung zu nehmen. Diese betreffen unter anderem die Reichweite deutscher Strafgewalt, die Merkmale der einzelnen Verbrechenstatbestände, besondere Zurechnungsregeln wie die Vorgesetztenverantwortlichkeit, die konkurrenzrechtliche Einordnung der Straftatbestände, das Verfolgungshindernis der Immunität sowie zahlreiche prozessuale Fragestellungen. Diese durchaus reichhaltige Spruchpraxis des Bundesgerichtshofes bildet den Gegenstand des Seminars. Konkret sollen ausgewählte Entscheidungen analysiert, eingeordnet und kritisch diskutiert werden.
SE International Criminal Justice: Current Developments and Critical Perspectives (10766) | Prof. Jeßberger
Seminar im Schloß Trebnitz Bildungs- und Begegnungszentrum e.V.
Das International criminal law, its institutions, and both international and domestic practices of its enforcement, have been subject to critique for some time now. Allegations of selectivity and double standards, the marginalization of gender-specific dimensions of macro-criminal violence, institutional racism, the dominance of retributive models of punishment, the persistence of colonial modes of thinking, and the neglect of structural violence all point to the diversity of critical approaches to international criminal law. Many observers diagnose a “crisis of international criminal law”. At the same time, international criminal law continues to gain prominence. Not least the wars in Ukraine and Gaza have once again brought international criminal law to the attention of a broader public; the same holds true for the recent U.S. attack against Venezuela. Moreover, international criminal law's potential as a powerful “language” of emancipatory movements—particularly in the Global South—remains undiminished. Both developments—the critical interrogation of international criminal law and its practice, as well as the public discussion of events through the vocabulary of international criminal law—are unfolding against the backdrop of an overarching dynamic of an international order that, in the view of many, is eroding. The aim of this seminar is to explore and critically discuss some of these multifaceted developments through the lens of current debates, judicial decisions, and key texts.
CO Wissenschaftliches Arbeiten im Strafrecht für Fortgeschrittene (10802) | Prof. Jeßberger
In der Veranstaltung werden wissenschaftliche Projekte der Teilnehmer*innen vorgestellt und diskutiert; zugleich werden in vertiefenden Lehreinheiten Kenntnisse zu übergreifenden Themen des wissenschaftlichen Arbeitens im. Strafrecht angeboten (Theorie, Geschichte, Methoden, internationale Bezüge). Die Veranstaltung richtet sich in erster Linie an Doktorandinnen und Doktoranden der Fakultät. Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung am Lehrstuhl möglich (Email an: sekretariat.jessberger.rewi@hu-berlin.de). Die Termine werden gesondert bekannt gegeben.
CO Forschungskolloquium zum Internationalen Strafrecht (10805) | Prof. Jeßberger
Gegenstand des Kolloquiums ist das Internationale Strafrecht. Es bietet fortgeschrittenen Studierenden, insbesondere aber nicht nur Doktorandinnen und Doktoranden, Gelegenheit, ihre Arbeiten zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung am Lehrstuhl möglich (Email an: sekretariat.jessberger.rewi@hu-berlin.de). Die Termine werden gesondert bekannt gegeben.
SE Reform der Tötungsdelikte (10770) | Dr. Schuchmann
Das Seminar behandelt Themen rund um die Straftaten gegen das Leben aus strafrechtsdogmatischer, zeitgeschichtlicher und rechtssoziologischer Perspektive. Darunter fallen Themen wie die Reform der §§ 212, 211 RStGB durch die Nationalsozialisten und die Frage, in wieweit die Normen noch heute von ihrem nationalsozialistischen Erbe geprägt sind; die Reformdiskussionen um einzelne Mordmerkmale, insbesondere niedrige Beweggründe und Heimtücke; kriminologische Betrachtungen der lebenslangen Freiheitsstrafe; geschlechtsspezifische Fragestellungen, darunter die Behandlung sog. Haustyrannen-Morde und Diskussionen im Kontext von Femiziden; das Recht auf selbstbestimmtes Sterben; sowie zeitgeschichtliche und aktuelle Diskussionen rund um das Thema der Schwangerschaftsabbrüche. Es wird eine vorgezogene Studienarbeit angeboten. Von Seminarteilnehmenden, die keine Studienarbeit schreiben, wird die aktive Teilnahme in Form eines (im Rahmen einer Vorbesprechung zu verteilenden) Kurzvortrags vorausgesetzt.