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Humboldt-Universität zu Berlin - Prof. Dr. Florian Jeßberger

Forschung | Lehrstuhl Jeßberger

Am Lehrstuhl werden derzeit Forschungsprojekte auf den Gebieten des Internationalen Strafrechts, der Strafrechtsvergleichung und der Strafrechtsgeschichte durchgeführt.

Einige dieser Forschungsvorhaben werden durch Drittmittel gefördert, darunter das Projekt "The Stammheim Trial - der Stammheim-Prozess (1975-77)“ (Volkswagen-Stiftung) und das Projekt „Strategic Litigation Networks and Gross Violations of Human Rights“ (DFG).

  • Der Stammheim-Prozess, in dem die Protagonisten der sog. Ersten Generation der Rote Armee Fraktion vor Gericht gestellt wurden, zählt zu den großen Strafprozessen des 20. Jahrhunderts. Das Verfahren gegen Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe wurde in den Jahren 1975 bis 1977 vor dem Oberlandesgericht Stuttgart geführt. Der Ortsname „Stammheim“ steht seither emblematisch für das Bemühen des Staates, politisch motivierter (terroristischer) Gewalt mit den Mitteln des Strafrechts zu begegnen. Ziel des Forschungs- und Dokumentationsprojekts „Der Stammheim-Prozess“ ist es, die zentralen Quellen des Prozesses wissenschaftlich zu erschließen. Sowohl das Urteil des 2. Strafsenats vom 28. April 1977 als auch das mehrere tausend Seiten umfassende Protokoll der Hauptverhandlung werden, jeweils ergänzt um juristische Erläuterungen und historische Anmerkungen, erstmals vollständig öffentlich zugänglich gemacht. Weitere Informationen finden Sie auf der Projekt-Homepage: https://www.stammheim-prozess.de/
  • Netzwerke strategischer Prozessführung (“Strategic Litigation Networks”, SLNs) sind formelle oder informelle Zusammenschlüsse zivilgesellschaftlicher Akteure, die durch juristische Intervention einen Beitrag zur nachhaltigen und effektiven Verwirklichung der Menschenrechte leisten wollen. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Strategic Litigation Networks and Accountability for Gross Violations of Human Rights“ werden Struktur, Ziele und Arbeitsweise sowie die Rolle der SLNs im System der arbeitsteilig organisierten internationalen Strafrechtspflege einschließlich ihrer Wirkung auf die Entwicklung des Internationalen Strafrechts untersucht. Zentrale Forschungsfragen lauten u.a.: Welche Verfahrensmechanismen nutzen SLNs? Welche Argumente bzw. Argumentationsmuster werden in Stellung gebracht und wie lassen sich diese systematisieren? Insbesondere: Welche Bedeutung hat der Verweis auf Völkerrecht und ausländisches Recht für die Argumentation und lässt sich ein “Muster der Querverweisung” (“systematic pattern of cross-referencing”) feststellen? Welche Wirkungen der Tätigkeit der SLNs auf das System internationaler Strafrechtspflege und auf die Entwicklung des Völkerstrafrechts i.w.S. lassen sich ausmachen? Entwickelt werden Antworten auf diese Fragen auch anhand von exemplarischen “Tiefenbohrungen” in Bereichen, in denen SLNs "Gegennarrative" anbieten; etwa (a) zur Frage der Verantwortlichkeit von (transnationalen) Unternehmen und ihrer Mitarbeiter für Menschenrechtsverletzungen und Völkerstraftaten, (b) zur Frage der Verantwortlichkeit für internationale Verbrechen im Rahmen des sog. "Kriegs gegen den Terror", insbesondere für Folter, und (c) zur Frage der Verantwortlichkeit für sexualisierte und geschlechterbasierte Gewalttaten.

Größere Publikationsvorhaben, die derzeit am Lehrstuhl durchgeführt werden, sind:

  • F. Jeßberger, N. Boister & S. Gless (eds.), Histories of Transnational Criminal Laws. Oxford University Press
  • F. Jeßberger u.a., Die Stammheim-Protokolle, kommentierte Quellenedition.
  • G. Werle & F. Jeßberger, Principles of International Criminal Law, Oxford University Press, 4th edition.
  • G. Werle & F. Jeßberger, Einleitung zum VStGB und Verbrechen gegen die Menschlichkeit (§ 7), Münchener Kommentar zum Strafgesetzbuch, 3. Auflage.
  • F. Jeßberger, Wege zur Rechtsgeschichte: Die Internationalisierung des Strafrechts. Böhlau Verlag (UTB).

Die folgenden Einzelprojekte (Dissertationen, Habilitationen) werden zur Zeit von Prof Jeßberger betreut (Arbeitstitel):

  • Tobias Beinder: Kollektives Unrecht und individuelle Schuld.
  • Hjördis Brett: Staatliche Intervention und Information
  • Dr. Aziz Epik, LL.M. (Cambridge): Hasskriminalität
  • Christian Friess, LL.M. (Hamburg): Fighting terrorism in France and Germany and its place in a European Criminal Policy (Stipendiat der Albrecht Mendelssohn Bartholdy Graduate School of Law)
  • Dr. Julia Geneuss, LL.M. (NYU): Der Schutz von Geheimnissen im Strafrecht
  • Annegret Hartig, LL.M. (Amsterdam/Columbia), Maitrise en Droit (Pantheon Assass): On the implementation of the crime of aggression
  • Sukho Kang: Fragen der Strafrechtsreform und Strafrechtsvereinheitlichung im südkoreanischen und nordkoreanischen Recht
  • Swantje Maecker, LL.M. (King's College): Kultur und Völkerstrafrecht
  • Kalika Mehta, LL.M. (Geneva): Strategic litigation and corporate accountability for crimes under international law (Stipendiatin der Albrecht Mendelssohn Bartholdy Graduate School of Law)
  • Francesco Moresco: On the vulnerability of the migrant in the multi-level legal framework  (Stipendiat der Albrecht Mendelssohn Bartholdy Graduate School of Law)
  • Haroon Mutasem, LL.M. (University of Washington): The investigation and prosecution of drug trafficking in Afghanistan (Stipendiat der Max Planck Foundation for International Peace and the Rule of Law)
  • Aleksandra Nieprzecka: Participation in Crime and the ICC (Co-tutelle mit der Jagiellonian Universität Krakau)
  • Andreas Pattet: Selektivität im Völkerstrafrecht (Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung)
  • Antonia Rosenstock, MJur (Oxford): Herausforderungen und Grenzen politischer Strafprozesse am Beispiel der NS-Prozesse
  • Inga Schuchmann: Zu den schuldstrafrechtlichen Grenzen der Strafgesetzgebung
  • Dr. Leonie Steinl, LL.M. (Columbia): Der Schutz der Ehre im Strafrecht
  • Narong Taptimsai: Immunität und Korruption

Bereits abgeschlossen sind die folgenden Promotionsvorhaben:

  • Jendrik Adam: Die Strafbarkeit juristischer Personen im Völkerrecht, Nomos 2015 (Oktober 2014).
  • Nils Andrzejewski: Die Strafbewehrung des Terrorismusembargos der Europäischen Union im deutschen Recht, Nomos 2018 (November 2016).
  • Rustam Atadjanov, LL.M. (University of Connecticut): Humanness as a Protected Legal Interest of Crimes against Humanity, Springer 2019 (Juni 2018).
  • Lea Babucke: Der Schulddefekt  im Völkerstrafrecht, Nomos 2020 (Dezember 2019).
  • Eva Bohle, LL.M. (UWC): Piraterie und Strafrecht, Nomos 2018.
  • Jan Philipp Book: Appeal and Sentence in International Criminal Law, Berliner Wissenschafts-Verlag 2011(August 2011); Besprechung von Nemitz, Journal of International Criminal Justice 11 (2013), 282.
  • Dirk Clausmeier: Die Einstellung von Verfahren mit Auslandsbezug durch die Staatsanwaltschaft – eine Analyse des § 153c StPO, Berliner Wissenschafts-Verlag 2016 (Mai 2015).
  • Jan Frederik Eller: Maritimes Umweltstrafrecht - völkerrechtliche Grundlage und deutsches Recht , Verlag Dr. Kovac 2017 (April 2016).
  • Christoph Fitting: Analogieverbot und Kontinuität - Entwicklungslinien des strafrechtlichen Analogieverbots seit 1871 , Duncker & Humblot 2017 (Juni 2016); Besprechungen von Th. Vormbaum, Journal der Juristischen Zeitgeschichte 2019, 34; E. Simon, Goltdammer’s Archiv 2019, 234; von Heintschel-Heinegg, Juristische Ausbildung 2020, IV.
  • Stine von Förster: Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Migrationskontrolle?, Hamburg University Press 2019 (September 2018).
  • Robert Geiger: Auswirkungen europäischer Strafrechtsharmonisierung auf nationaler Ebene. Eine rechtsvergleichende Untersuchung zur Umsetzung des Rahmenbeschlusses 2004/68/JI zur Bekämpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern und der Kinderpornographie, Duncker & Humblot 2012 (Dezember 2011); Besprechung von Renzikowski, Goltdammer’s Archiv 2014, 605.
  • Julia Geneuss: Völkerrechtsverbrechen und Verfolgungsermessen. § 153f StPO im System völkerrechtlicher Strafrechtspflege, Nomos 2014 (Januar 2013); Besprechung von Swatek-Evenstein, Journal of International Criminal Justice 13 (2015), 203. Ausgezeichnet mit dem Promotionspreis der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin und einem Zweiten Preis beim Studienpreis der Körber-Stiftung 2014.
  • Mika Kremer: Strafprozessuale Angehörigenprivilegien im Rechtsvergleich, Mohr Siebeck 2018 (November 2017).
  • Viola Mattathil-Reuter: Strafrecht und Terrorismus in Indien, Nomos 2020 (April 2018).
  • Sara Paiusco: Nullum crimen, nulla poena sine lege im Europäischen Strafrecht (April 2020).
  • Annette Parys: Terrorismusstrafrecht in Russland, Nomos 2015 (April 2014); Besprechung von F.-C. Schroeder, Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 127 (2015), 842.
  • Tobias Pielow: Öffentliches Strafverfahren - Öffentliches Strafen, Mohr Siebeck 2018 (November 2017). Ausgezeichnet mit einem Promotionspreis der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg.
  • Sara Porro: Risk and Mental Element. An Analysis of National and International Law on Core Crimes, Nomos 2015 (März 2014; Co-Tutelle mit der Universität Trento); Besprechung von Wenin, Rivista Italiana di Diritto e Procedura Penale 2015, 1107.
  • Thomas M. Schmidt: Crimes of Business in International Law – Concepts of Individual and Corporate Criminal Responsibility for the Rome Statute of the International Criminal Court, Nomos 2016 (Juni 2015).
  • Leonie Steinl, LL.M. (Columbia University): Child Soldiers as Agents of War and Peace - A Restorative Transitional Justice Approach to Accountability for Crimes under International Law, Springer 2017 (Oktober 2016). Ausgezeichnet mit dem Promotionspreis der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg 2017 und dem Robert-Kempner-Preis des Arbeitskreis Völkerstrafrecht 2018. Besprechung von Drumbl, Journal of International Criminal Justice 16 (2018).
  • Ting Zhang: How Cybercrime Challenges Theories of Joint Commission – Chinese and German Perspectives, Shaker Verlag 2017 (April 2017).